„Prellbock“ – Versionsunterschied

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{{Doppeltes Bild|rechts|Dcp 1623 Prellbock 021004.jpg|250|Bufferstop toledo.JPG|200|Einfacher Festprellbock im Deutschen Technikmuseum Berlin|Festprellbock mit Hydraulikdämpfern für Scharfenbergkupplung}}

Ein '''Prellbock''', auch ''Pufferwehr'' oder Puffer, ist eine Form des [[Gleisabschluss]]es. Er verhindert, dass bei einem [[Stumpfgleis]] einer [[Eisenbahn]]strecke ein Fahrzeug über das Gleisende hinausrollen kann.
Ein '''Prellbock''', auch ''Pufferwehr'' oder Puffer, ist eine Form des [[Gleisabschluss]]es. Er verhindert, dass bei einem [[Stumpfgleis]] einer [[Eisenbahn]]strecke ein Fahrzeug über das Gleisende hinausrollen kann.


== Bauweise ==
== Bauweise ==
Prellböcke sind meist so beschaffen, dass sie beim Aufprall möglichst viel Energie des rollenden Zuges aufnehmen können, damit der Zug nach Möglichkeit unbeschädigt bleibt. Der Prellbock kann dabei unter Umständen verformt oder zerstört werden. Um diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen, sind Prellböcke üblicherweise auf das Kupplungssystem der Bahn angepasst. Moderne Prellböcke sind zudem mit einem [[Aufkletterschutz]] versehen.
Prellböcke sind meist so beschaffen, dass sie beim Aufprall möglichst viel Energie des rollenden Zuges aufnehmen können, damit der Zug nach Möglichkeit unbeschädigt bleibt. Der Prellbock kann dabei unter Umständen verformt oder zerstört werden. Um diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen, sind Prellböcke üblicherweise auf das Kupplungssystem der Bahn angepasst. Moderne Prellböcke sind zudem mit einem [[Aufkletterschutz]] versehen.
[[Datei:Dcp 1623 Prellbock 021004.jpg|mini|Einfacher Prellbock im Deutschen Technikmuseum Berlin]]


=== Einfacher Prellbock ===
=== Einfacher Prellbock ===
Anfangs waren Prellböcke einfache Konstruktionen, die geeignet waren, einzelne sehr langsam rollende Wagen aufzuhalten. Nach einer Reihe spektakulärer Unfälle um die Jahrhundertwende wie dem [[Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse]] von 1895 und dem [[Eisenbahnunfall im Centralbahnhof Frankfurt]] von 1902 wurden moderne, energieabsorbierende Prellböcke entwickelt.
Anfangs waren Prellböcke einfache Konstruktionen, die geeignet waren, einzelne sehr langsam rollende Wagen aufzuhalten. Es zeigte sich jedoch schon früh, dass sie bei nur geringfügig höheren Geschwindigkeiten und Massen keinen wirksamen Schutz darstellen. Nach einer Reihe spektakulärer Unfälle um die Jahrhundertwende wie dem [[Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse]] von 1895 und dem [[Eisenbahnunfall im Centralbahnhof Frankfurt]] von 1902 wurden moderne, energieabsorbierende Prellböcke entwickelt.
[[Datei:Bufferstop toledo.JPG|mini|Festprellbock mit Hydraulikdämpfern für Scharfenberg-Kupplung]]


=== Festprellbock ===
=== Festprellbock ===
Ein Festprellbock wird fest im Boden oder an den Fahrschienen, in diesem Fall üblicherweise durch Schienenbohrungen, verankert. Ist mit Anfahrgeschwindigkeiten größer als 5&nbsp;km/h zu rechnen, werden zur Absorption der Restenergie Dämpfungssysteme meist auf Hydraulikbasis verbaut.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.trelco.ch/a_bahntechnik/bremsprellbock_festprellbock.php |titel=Trelco AG – Bahntechnik – Brems- und Festprellbock |zugriff=2017-02-19}}</ref>
Ein Festprellbock wird fest im Boden oder an den Fahrschienen, in diesem Fall üblicherweise durch Schienenbohrungen, verankert. Ist mit Anfahrgeschwindigkeiten größer als 5&#8239;km/h zu rechnen, werden zur Absorption der Restenergie Dämpfungssysteme meist auf Hydraulikbasis verbaut.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.trelco.ch/a_bahntechnik/bremsprellbock_festprellbock.php |titel=Trelco AG – Bahntechnik – Brems- und Festprellbock |zugriff=2017-02-19 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20170220013539/http://www.trelco.ch/a_bahntechnik/bremsprellbock_festprellbock.php |archiv-datum=2017-02-20 |offline=ja |archiv-bot=2024-04-18 18:46:05 InternetArchiveBot }}</ref>

[[Datei:Buffer stop zurich.jpg|alt=Prellbock als Stahlschweißkonstruktion mit Scherenklemmelementen auf den Fahrschienen verschraubt.|mini|Prellbock auf Gleis 54 in Zürich Hauptbahnhof. Der Prellbock ist so konstruiert, dass er bis zu sieben Meter verschoben und dabei einen 850-t-Zug von 15&nbsp;km/h abbremsen kann, ohne dass Fahrzeuge beschädigt oder Reisende verletzt werden.]]
[[Datei:Buffer stop zurich.jpg|alt=Bremsprellbock als Stahlschweißkonstruktion mit Scherenklemmelementen auf den Fahrschienen verschraubt.|mini|Bremsprellbock auf Gleis 54 in Zürich Hauptbahnhof]]


=== Bremsprellbock ===
=== Bremsprellbock ===
Bremsprellböcke werden meist auf den Fahr- und gegebenenfalls auf Zusatzschienen mittels verschraubbarer Klemmen montiert. Die Klemmen erzeugen einen hohen Reibwert und können so einen 850&nbsp;t schweren Zug auf sieben Metern von 15&nbsp;km/h bis zum Stillstand abbremsen, ohne die Fahrzeuge zu beschädigen. Ist mit höheren Massen oder Geschwindigkeiten zu rechnen, wird ein Bremsprellbock zusätzlich mit Schleppschwellen ausgerüstet. Diese erfordern jedoch eine Betonplatte als Untergrund und damit einen deutlich höheren Bauaufwand.
Bremsprellböcke können deutlich höhere Energien als alle Arten von Festprellböcken aufnehmen. Sie werden in der Regel auf den Fahr- und gegebenenfalls Zusatzschienen mit speziellen Klemmen befestigt, die untereinander mit Schrauben verspannt sind. Diese Klemmen erzeugen eine hohe Reibung und können so beispielsweise einen Zug mit einer Masse von 850 Tonnen auf sieben Metern von 15&#8239;km/h bis zum Stillstand abbremsen, ohne die Fahrzeuge zu beschädigen. Ist mit höheren Massen oder Geschwindigkeiten zu rechnen, wird ein Bremsprellbock zusätzlich mit Schleppschwellen ausgerüstet. Diese erfordern jedoch eine Betonplatte als Untergrund und damit einen deutlich höheren Bauaufwand.

Entwickelt und patentiert wurde der Bremsprellbock von [[Ingenieur]] [[Franz Rawie]] aus [[Osnabrück]], der nach dem [[Eisenbahnunfall im Centralbahnhof Frankfurt]] nach einer Lösung zum sicheren Abbremsen von Zügen suchte. 1907 erprobte er sein Bremssystem „Nummer 1“ im [[Bahnhof Ibbenbüren]]. Da die Bahn keine ihrer Lokomotiven für den Versuch hergeben wollte, beschleunigte man einige alte Güterwagen durch Pferde und ließ sie auf den Bremsprellbock auflaufen, der sie wirksam abbremste. Danach wurden in den Bahnhöfen [[Schneidemühl]], [[Duisburg]] und im [[Osnabrück Hauptbahnhof|Bremer Bahnhof]] in Osnabrück weitere Bremsprellböcke zu Testzwecken aufgestellt. Nachdem alle Versuche mit dem Bremsprellbock zufriedenstellend ausgefallen waren, wurde 1910 der [[Frankfurter Hauptbahnhof]] als erstes mit ihnen ausgestattet.<ref>{{Internetquelle |autor=Joachim Dierks |url=https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/133242/osnabrucker-strassenkunde-die-rawiestrasse-ist-nach-dem-erfinder-des-brems-prellbocks-benannt#gallery&0&0&133242 |titel=Osnabrücker Straßenkunde: Die Rawiestraße ist nach dem Erfinder des Brems-Prellbocks benannt |werk=noz.de |hrsg=[[Neue Osnabrücker Zeitung]] |datum=2012-08-23 |abruf=2020-12-14}}</ref>


=== Klappbarer Prellbock ===
=== Klappbarer Prellbock ===
Um ein Gleis zeitweise zu sichern, werden alternativ zu [[Schutzweiche|Schutzweichen]] mit Bremsprellbock oder [[Gleissperre|Gleissperren]] einklappbare oder versenkbare Prellböcke verwendet. Diese sind sowohl als Festprellbock mit und ohne Hydraulikdämpfer als auch als Bremsprellbock mit parallel zu den Fahrschienen verlaufenden Bremsschienen zu finden.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.rawie.de/index.php/de/bahntechnik/vollbahn/personenverkehr/klappprellboecke |titel=Bahntechnik {{!}} Vollbahn {{!}} Personenverkehr {{!}} klappbare Prellbocksysteme {{!}} RAWIE |zugriff=2017-02-19}}</ref> Klappbare Prellböcke dienen in Ablaufanlagen dem Abschluss der Richtungsgleise, um zu verhindern, dass Wagengruppen nach Rangierstößen in den Weichenbereich weiterlaufen. Beispielsweise werden auf dem [[Rangierbahnhof Nürnberg]] ''verfahr- und versenkbare Prellböcke'' eingebaut. Damit kann auf die Sicherung durch Hemmschuhe verhindert werden.
Um ein Gleis zeitweise zu sichern, werden alternativ zu [[Schutzweiche]]n mit Bremsprellbock oder [[Gleissperre]]n einklappbare oder versenkbare Prellböcke verwendet. Diese sind sowohl als Festprellbock mit und ohne Hydraulikdämpfer als auch als Bremsprellbock mit parallel zu den Fahrschienen verlaufenden Bremsschienen zu finden.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.rawie.de/index.php/de/bahntechnik/vollbahn/personenverkehr/klappprellboecke |titel=Bahntechnik {{!}} Vollbahn {{!}} Personenverkehr {{!}} klappbare Prellbocksysteme {{!}} RAWIE |zugriff=2017-02-19 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20170220015729/http://www.rawie.de/index.php/de/bahntechnik/vollbahn/personenverkehr/klappprellboecke |archiv-datum=2017-02-20 |offline=ja |archiv-bot=2024-04-18 18:46:05 InternetArchiveBot }}</ref> Klappbare Prellböcke dienen in Ablaufanlagen dem Abschluss der Richtungsgleise, um zu verhindern, dass Wagengruppen nach Rangierstößen in den Weichenbereich weiterlaufen. Beispielsweise werden auf dem [[Rangierbahnhof Nürnberg]] ''verfahr- und versenkbare Prellböcke'' eingebaut. Damit kann auf die Sicherung durch Hemmschuhe verzichtet werden.


=== Improvisierter Gleisabschluss ===
=== Improvisierter Gleisabschluss ===
Bei manchen [[Nebenbahn]]en und in [[Nebengleis]]en werden teilweise recht primitive Konstruktionen eingesetzt. Beispielsweise kann aus zwei kreuzweise in ein Schwellenfach geschobenen Holzschwellen ein [[Schwellenkreuz]] als provisorischer Gleisabschluss hergestellt werden.
[[Datei:The End of the Line (2891000637).jpg|alt=Zwei Bahnschwellen sind Kreuzweise in die Schienen gestellt, sodass ein Zug aufgehalten würde.|mini|Improvisierter Prellbock aus zwei gekreuzten Holzschwellen.]]
Bei manchen [[Nebenbahn]]en und in [[Nebengleis]]en werden teilweise recht primitive Konstruktionen eingesetzt. Beispielsweise kann aus zwei in die Schienen kreuzweise verkeilten Bahnschwellen ([[Schwellenkreuz]]) ein einfacher Prellbock hergestellt werden.
[[Datei:QC-STM GarageBeaugrand 20040706-132759 VoieEssai.jpg|mini|Abstellgleis der Métro Montréal in der Nähe der Station Beaugrand. Am Ende des Gleises ist eine Sandgrube als Prellbock-Ersatz installiert.]]
[[Datei:Prellbock Russland.jpg|mini|Prellbock an der Transsibirischen Eisenbahn in Russland. Der Prellbock und die Gleise sind einbetoniert.]]
[[Datei:Hortobágyi rakodó.JPG|mini|Einfacher Gleisabschluss bei der [[Fischzuchtbahn Hortobágy]]]]


=== Kiesbett ===
=== Sandgleis ===
{{Doppeltes Bild|rechts|The End of the Line (2891000637).jpg|200|QC-STM GarageBeaugrand 20040706-132759 VoieEssai.jpg|250|[[Schwellenkreuz]] als improvisierter Gleisabschluss|Abstellgleis der Métro Montréal in der Nähe der Station Beaugrand. Das Gleisende ist als Bremsprellbockersatz mit Sand abgedeckt.}}
Ähnlich einer [[Notfallspur (Gefälle)|Notfallspur]] kann der Zug durch ein kontrolliertes Ableiten in ein Sandgleis abgebremst und zum Stehen gebracht werden. Einen bekannten Anwendungsfall gab es im [[Bahnhof Eibenstock unt Bf]] an der [[Bahnstrecke Eibenstock unt Bf–Eibenstock ob Bf|Steilstrecke Eibenstock]].

Ähnlich einer [[Notfallspur (Gefälle)|Notfallspur]] kann der Zug durch ein kontrolliertes Ableiten in ein [[Sandgleis]] abgebremst und zum Stehen gebracht werden. Einen bekannten Anwendungsfall gab es im [[Bahnhof Eibenstock unt Bf]] an der [[Bahnstrecke Eibenstock unt Bf–Eibenstock ob Bf|Steilstrecke Eibenstock]].


== Deutschland ==
== Deutschland ==
In [[Deutschland]] ist vor Prellböcken von Hauptgleisen in der Regel das [[Schutzsignal#Sh 2: „Schutzhalt“|Schutzhaltsignal Sh 2]] in Form einer Tafel angebracht, vor denen in Nebengleisen das [[Schutzsignal#Sh 0: „Halt! Fahrverbot“|Signal Sh 0]].
In [[Deutschland]] ist vor Prellböcken in der Regel das [[Schutzsignal#Sh 2|Schutzhaltsignal Sh 2]] in Form einer Tafel angebracht. In Nebengleisen ist häufig das Signal [[Schutzsignal|Sh0]] vorzufinden, welches aber bei Neubauten und Erneuerungen nicht mehr zulässig ist.


Prellböcke müssen in Europa seit 1. Juli 2012 den Anforderungen der [[Eurocode]]s (insbesondere Eurocode 3) entsprechen. Im Bereich der Deutschen Bahn sind die Anforderungen im Deutsche-Bahn-Standard 918.005 geregelt.<ref name="etr-2014-10-26">{{Literatur |Autor=Jürgen Schönbrodt, Lothar Mattner |Titel=Bremsprellböcke zwischen DIN und Eurocode |Sammelwerk=[[Eisenbahntechnische Rundschau]] |Band=63 |Nummer=10 |Datum=2014 |ISSN=0013-2845 |Seiten=26–31}}</ref>
Prellböcke müssen in Europa seit 1. Juli 2012 den Anforderungen der [[Eurocode]]s (insbesondere Eurocode 3) entsprechen. Im Bereich der Deutschen Bahn sind die Anforderungen im Deutsche-Bahn-Standard 918.005 geregelt.<ref name="etr-2014-10-26">{{Literatur |Autor=Jürgen Schönbrodt, Lothar Mattner |Titel=Bremsprellböcke zwischen DIN und Eurocode |Sammelwerk=[[Eisenbahntechnische Rundschau]] |Band=63 |Nummer=10 |Datum=2014 |ISSN=0013-2845 |Seiten=26–31}}</ref>

== Unfälle ==
[[Datei:Train wreck at Montparnasse 1895.jpg|mini|Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse, Paris, 1895]]

* Bekannt ist das Bild von einer aus einem Bahnhof in Hochlage hinuntergekippten, abgestürzten Dampflokomotive beim [[Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse]] in Paris 1895.
* Beim [[Eisenbahnunfall im Centralbahnhof Frankfurt]] kam die Lokomotive des [[Ostende-Wien-Express]]es am 6. Dezember 1901 erst im Wartesaal zum Stehen.
* Beim [[Eisenbahnunfall im Bahnhof De Akkers]] ([[Rotterdam]]) endete die Fahrt eines Metro-Zuges in der Nacht auf den 2. November 2020 hinter dem Prellbock auf der Schwanzflosse (Fluke) der Beton-Skulptur „Walschwänze“ von [[Maarten Struijs]] und nicht 10 m tiefer im Wasser.<ref>[https://www.tz.de/welt/rotterdam-strassenbahn-ubahn-metro-holland-wal-flosse-niederlande-polizei-kunst-skulptur-video-90088301.html Unfassbare Szene: Bahn rast durch Absperrung - Nur eine Kunst-Skulptur fängt sie auf] tz.de, 2. November 2020, abgerufen am 3. November 2020.</ref>


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
{{Doppeltes Bild|rechts|Prellbock Russland.jpg|250|Hortobágyi rakodó.JPG|200|Beton-Festprellbock in Russland|Einfacher Gleisabschluss bei der [[Fischzuchtbahn Hortobágy]]}}
* [[Gleisendschuh]]
* [[Gleisendschuh]]


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|kommentar=Entwicklung vom Erdhügel zu diversen Bauarten von Prellböcken
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== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references />
<references />

Aktuelle Version vom 18. April 2024, 20:46 Uhr

Leichter Bremsprellbock
Leichter Bremsprellbock
Prellbock im Bahnhof Fridingen (2018)
Prellbock im Bahnhof Fridingen (2018)
Einfacher Festprellbock im Deutschen Technikmuseum Berlin
Einfacher Festprellbock im Deutschen Technikmuseum Berlin
Festprellbock mit Hydraulikdämpfern für Scharfenbergkupplung
Festprellbock mit Hydraulikdämpfern für Scharfenbergkupplung

Ein Prellbock, auch Pufferwehr oder Puffer, ist eine Form des Gleisabschlusses. Er verhindert, dass bei einem Stumpfgleis einer Eisenbahnstrecke ein Fahrzeug über das Gleisende hinausrollen kann.

Prellböcke sind meist so beschaffen, dass sie beim Aufprall möglichst viel Energie des rollenden Zuges aufnehmen können, damit der Zug nach Möglichkeit unbeschädigt bleibt. Der Prellbock kann dabei unter Umständen verformt oder zerstört werden. Um diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen, sind Prellböcke üblicherweise auf das Kupplungssystem der Bahn angepasst. Moderne Prellböcke sind zudem mit einem Aufkletterschutz versehen.

Einfacher Prellbock

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Anfangs waren Prellböcke einfache Konstruktionen, die geeignet waren, einzelne sehr langsam rollende Wagen aufzuhalten. Es zeigte sich jedoch schon früh, dass sie bei nur geringfügig höheren Geschwindigkeiten und Massen keinen wirksamen Schutz darstellen. Nach einer Reihe spektakulärer Unfälle um die Jahrhundertwende wie dem Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse von 1895 und dem Eisenbahnunfall im Centralbahnhof Frankfurt von 1902 wurden moderne, energieabsorbierende Prellböcke entwickelt.

Ein Festprellbock wird fest im Boden oder an den Fahrschienen, in diesem Fall üblicherweise durch Schienenbohrungen, verankert. Ist mit Anfahrgeschwindigkeiten größer als 5 km/h zu rechnen, werden zur Absorption der Restenergie Dämpfungssysteme meist auf Hydraulikbasis verbaut.[1]

Bremsprellbock als Stahlschweißkonstruktion mit Scherenklemmelementen auf den Fahrschienen verschraubt.
Bremsprellbock auf Gleis 54 in Zürich Hauptbahnhof

Bremsprellböcke können deutlich höhere Energien als alle Arten von Festprellböcken aufnehmen. Sie werden in der Regel auf den Fahr- und gegebenenfalls Zusatzschienen mit speziellen Klemmen befestigt, die untereinander mit Schrauben verspannt sind. Diese Klemmen erzeugen eine hohe Reibung und können so beispielsweise einen Zug mit einer Masse von 850 Tonnen auf sieben Metern von 15 km/h bis zum Stillstand abbremsen, ohne die Fahrzeuge zu beschädigen. Ist mit höheren Massen oder Geschwindigkeiten zu rechnen, wird ein Bremsprellbock zusätzlich mit Schleppschwellen ausgerüstet. Diese erfordern jedoch eine Betonplatte als Untergrund und damit einen deutlich höheren Bauaufwand.

Entwickelt und patentiert wurde der Bremsprellbock von Ingenieur Franz Rawie aus Osnabrück, der nach dem Eisenbahnunfall im Centralbahnhof Frankfurt nach einer Lösung zum sicheren Abbremsen von Zügen suchte. 1907 erprobte er sein Bremssystem „Nummer 1“ im Bahnhof Ibbenbüren. Da die Bahn keine ihrer Lokomotiven für den Versuch hergeben wollte, beschleunigte man einige alte Güterwagen durch Pferde und ließ sie auf den Bremsprellbock auflaufen, der sie wirksam abbremste. Danach wurden in den Bahnhöfen Schneidemühl, Duisburg und im Bremer Bahnhof in Osnabrück weitere Bremsprellböcke zu Testzwecken aufgestellt. Nachdem alle Versuche mit dem Bremsprellbock zufriedenstellend ausgefallen waren, wurde 1910 der Frankfurter Hauptbahnhof als erstes mit ihnen ausgestattet.[2]

Klappbarer Prellbock

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Um ein Gleis zeitweise zu sichern, werden alternativ zu Schutzweichen mit Bremsprellbock oder Gleissperren einklappbare oder versenkbare Prellböcke verwendet. Diese sind sowohl als Festprellbock mit und ohne Hydraulikdämpfer als auch als Bremsprellbock mit parallel zu den Fahrschienen verlaufenden Bremsschienen zu finden.[3] Klappbare Prellböcke dienen in Ablaufanlagen dem Abschluss der Richtungsgleise, um zu verhindern, dass Wagengruppen nach Rangierstößen in den Weichenbereich weiterlaufen. Beispielsweise werden auf dem Rangierbahnhof Nürnberg verfahr- und versenkbare Prellböcke eingebaut. Damit kann auf die Sicherung durch Hemmschuhe verzichtet werden.

Improvisierter Gleisabschluss

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Bei manchen Nebenbahnen und in Nebengleisen werden teilweise recht primitive Konstruktionen eingesetzt. Beispielsweise kann aus zwei kreuzweise in ein Schwellenfach geschobenen Holzschwellen ein Schwellenkreuz als provisorischer Gleisabschluss hergestellt werden.

Schwellenkreuz als improvisierter Gleisabschluss
Schwellenkreuz als improvisierter Gleisabschluss
Abstellgleis der Métro Montréal in der Nähe der Station Beaugrand. Das Gleisende ist als Bremsprellbockersatz mit Sand abgedeckt.
Abstellgleis der Métro Montréal in der Nähe der Station Beaugrand. Das Gleisende ist als Bremsprellbockersatz mit Sand abgedeckt.

Ähnlich einer Notfallspur kann der Zug durch ein kontrolliertes Ableiten in ein Sandgleis abgebremst und zum Stehen gebracht werden. Einen bekannten Anwendungsfall gab es im Bahnhof Eibenstock unt Bf an der Steilstrecke Eibenstock.

In Deutschland ist vor Prellböcken in der Regel das Schutzhaltsignal Sh 2 in Form einer Tafel angebracht. In Nebengleisen ist häufig das Signal Sh0 vorzufinden, welches aber bei Neubauten und Erneuerungen nicht mehr zulässig ist.

Prellböcke müssen in Europa seit 1. Juli 2012 den Anforderungen der Eurocodes (insbesondere Eurocode 3) entsprechen. Im Bereich der Deutschen Bahn sind die Anforderungen im Deutsche-Bahn-Standard 918.005 geregelt.[4]

Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse, Paris, 1895
Beton-Festprellbock in Russland
Beton-Festprellbock in Russland
Einfacher Gleisabschluss bei der Fischzuchtbahn Hortobágy
Einfacher Gleisabschluss bei der Fischzuchtbahn Hortobágy
Wiktionary: Prellbock – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Prellböcke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Trelco AG – Bahntechnik – Brems- und Festprellbock. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. Februar 2017; abgerufen am 19. Februar 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.trelco.ch
  2. Joachim Dierks: Osnabrücker Straßenkunde: Die Rawiestraße ist nach dem Erfinder des Brems-Prellbocks benannt. In: noz.de. Neue Osnabrücker Zeitung, 23. August 2012, abgerufen am 14. Dezember 2020.
  3. Bahntechnik | Vollbahn | Personenverkehr | klappbare Prellbocksysteme | RAWIE. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. Februar 2017; abgerufen am 19. Februar 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rawie.de
  4. Jürgen Schönbrodt, Lothar Mattner: Bremsprellböcke zwischen DIN und Eurocode. In: Eisenbahntechnische Rundschau. Band 63, Nr. 10, 2014, ISSN 0013-2845, S. 26–31.
  5. Unfassbare Szene: Bahn rast durch Absperrung - Nur eine Kunst-Skulptur fängt sie auf tz.de, 2. November 2020, abgerufen am 3. November 2020.